Ratgeber · Heizungswechsel

Gasheizung vs. Wärmepumpe: Was kostet Sie mehr?

Steigender CO₂-Preis, kommunale Wärmeplanung, Förderquoten bis 70 % – kaum eine Entscheidung hat für Gaskunden größere finanzielle Folgen als die Frage: Gastherme behalten oder auf Wärmepumpe umsteigen? Mit dem interaktiven Rechner vergleichen Sie beide Wege über 20 Jahre – mit Ihrem echten Gasverbrauch, Ihrer Förderquote und dem Break-even-Zeitpunkt auf einen Blick.

01Warum sich der Vergleich gerade jetzt lohnt

Drei Entwicklungen verschieben die Rechnung Jahr für Jahr zugunsten der Wärmepumpe:

  • CO₂-Preis: 2026 kostet die Tonne CO₂ 55–65 €, ab 2027 übernimmt der europäische Emissionshandel (ETS 2). Jede Preisstufe verteuert ausschließlich fossile Brennstoffe – Erdgas heute bereits um über 1 ct/kWh.
  • Gasnetz-Kosten: Je mehr Haushalte aus dem Gasnetz aussteigen, desto höher werden die Netzentgelte für die verbleibenden Kunden.
  • Förderung: Die KfW zahlt aktuell 30–70 % Zuschuss zum Heizungstausch – so hoch wie nie. Der 20-%-Klimageschwindigkeits-Bonus sinkt ab 2029 schrittweise.

Gleichzeitig gilt: Eine funktionierende Gasheizung darf weiterlaufen, und niemand muss überstürzt handeln. Genau deshalb lohnt der nüchterne Blick auf die Zahlen – bevor die Therme ausfällt und unter Zeitdruck entschieden werden muss.

02Interaktiv: Ihr 20-Jahres-Kostenvergleich

Stellen Sie Ihren Gasverbrauch, die Preise, die erwartete JAZ (Jahresarbeitszahl) der Wärmepumpe sowie Investition und Förderquote ein. Die blaue Kurve zeigt die kumulierten Kosten, wenn Sie bei Gas bleiben – die grüne Kurve den Umstieg auf die Wärmepumpe inklusive Anschaffung. Wo sich die Kurven schneiden, liegt Ihr Break-even.

Gasverbrauch pro Jahr 18.000 kWh
Gaspreis 11,0 ct/kWh
WP-Strompreis 26 ct/kWh
JAZ (Jahresarbeitszahl) 3,5
Investition Wärmepumpe 30.000 €
Förderquote (KfW) 55 %
Ihre Gasheizung
WP-Strombedarf –
Heizkosten Jahr 1 (Gas vs. WP) –
Netto-Investition nach Förderung –
Break-even –
Kostenvorteil WP nach 20 Jahren –
Weiter mit Gasheizung (kumuliert) Umstieg auf Wärmepumpe (inkl. Netto-Investition) Kostenvorteil nach Break-even

Annahmen: Brennwertkessel-Nutzungsgrad 90 %, Wartung Gas 250 €/Jahr (inkl. Schornsteinfeger) vs. WP 150 €/Jahr, Preissteigerung Gas +4 %/Jahr (CO₂-Preis/ETS 2), Strom +1,5 %/Jahr. Förderung auf max. 30.000 € förderfähige Kosten (KfW 458). Grundpreise beider Tarife näherungsweise gleich, daher nicht angesetzt.

Wie lese ich das Diagramm? Die grüne Kurve startet mit der Netto-Investition als Sockel und wächst danach flacher als die blaue Gas-Kurve, weil die Wärmepumpe pro Jahr weniger kostet. Ab dem Schnittpunkt (Break-even) haben Sie die Anschaffung wieder eingespielt – jede weitere Heizsaison ist ein realer Kostenvorteil. Wählen Sie „muss ohnehin ersetzt werden", verschiebt sich der Break-even deutlich nach vorn, weil die Kosten der neuen Gastherme gegengerechnet werden.
Bis zum Umstieg: günstigen Gastarif vergleichen

03Die Rechnung hinter dem Vergleich

Der Vergleich beruht auf drei einfachen Schritten:

Wärmebedarf = Gasverbrauch × 0,90 (Brennwertkessel-Nutzungsgrad)

WP-Strombedarf = Wärmebedarf ÷ JAZ

Netto-Investition = WP-Kosten − Förderung (− ersparte Gastherme, falls fällig)

Beispiel (Voreinstellung des Rechners): 18.000 kWh Gas, JAZ 3,5, 30.000 € Investition, 55 % Förderung:

18.000 × 0,90 = 16.200 kWh Wärmebedarf
16.200 ÷ 3,5 = ~4.600 kWh WP-Strom
Heizkosten Jahr 1: Gas ~2.230 € vs. WP ~1.350 € → ~880 € Ersparnis
Netto-Investition: 30.000 − 16.500 = 13.500 € → Break-even nach ~11 Jahren

Muss die Gastherme ohnehin ersetzt werden (~10.000 €), sinkt die anrechenbare Netto-Investition auf 3.500 € – der Break-even rückt auf etwa 4 Jahre vor. Das ist der Grund, warum der Zeitpunkt des Heizungstauschs die halbe Entscheidung ist.

04Förderung: bis zu 21.000 € Zuschuss (KfW 458)

Baustein Zuschuss Voraussetzung
Grundförderung 30 % Einbau einer förderfähigen Wärmepumpe im Bestand
Klimageschwindigkeits-Bonus +20 % Austausch einer funktionstüchtigen Gas-/Öl-Heizung (sinkt ab 2029)
Einkommensbonus +30 % Zu versteuerndes Haushaltseinkommen unter 40.000 €/Jahr
Effizienzbonus +5 % Natürliches Kältemittel oder Erd-/Wasserwärmepumpe
Maximal 70 % von max. 30.000 € förderfähigen Kosten → bis 21.000 €

Realistisch erreichen die meisten Haushalte beim Tausch einer laufenden Gasheizung 50–55 % (Grundförderung + Klimageschwindigkeits-Bonus, ggf. Effizienzbonus). Der Antrag läuft über das KfW-Portal und muss vor Vorhabensbeginn gestellt werden – ein Liefer- oder Leistungsvertrag mit aufschiebender Bedingung genügt.

05Drei typische Szenarien im Vergleich

Szenario Ersparnis/Jahr Break-even Fazit
EFH 18.000 kWh, Therme läuft, JAZ 3,5, 55 % Förderung ~880 € ~11 Jahre Lohnt sich – aber kein Zeitdruck
Gleiches Haus, Therme muss ersetzt werden ~880 € ~4 Jahre Klarer Fall für die Wärmepumpe
Altbau 28.000 kWh, JAZ 3,0 ~1.000 € ~10–12 Jahre Erst Dämmung prüfen, dann rechnen

Die Jahresarbeitszahl ist der empfindlichste Hebel: Fällt die JAZ im Altbau mit Heizkörpern auf 2,8, schrumpft die jährliche Ersparnis spürbar. Verlangen Sie vor der Entscheidung eine JAZ-Berechnung nach VDI 4650 für Ihr konkretes Gebäude.

06Wann sich Warten (noch) lohnt

  • Sehr junger Brennwertkessel (unter 10 Jahre): Die Restlebensdauer verschiebt den wirtschaftlichen Tauschzeitpunkt – rechnen Sie mit dem Rechner oben und Option „läuft noch problemlos".
  • Unsanierter Altbau mit hohen Vorlauftemperaturen: Erst Dämmung und Heizkörper prüfen, sonst drückt eine JAZ unter 3,0 die Ersparnis.
  • Anstehender Fernwärme-Anschluss: Sieht die kommunale Wärmeplanung ein Wärmenetz in Ihrer Straße vor, kann das die günstigere Option sein.

In allen drei Fällen gilt: Bis zum Umstieg zahlen Sie weiter für Gas – umso wichtiger, dass der laufende Tarif stimmt. Prognostizieren Sie Ihren Jahresverbrauch mit unserem Tool und vergleichen Sie damit die Gastarife.

Gasverbrauch prognostizieren & Tarif vergleichen

07Nach dem Umstieg: Wärmepumpen-Strom im Detail

Nach dem Wechsel wird Ihr Stromverbrauch zur entscheidenden Kostengröße. Auf unserem Schwesterportal berechnen Sie den Wärmepumpen-Stromverbrauch im Detail – mit Wohnfläche, Dämmstandard und monatlicher Verteilung – und finden dort den passenden Wärmepumpentarif, der typisch 4–8 ct/kWh unter dem Haushaltsstrom liegt.

08Häufige Fragen zum Umstieg

Wann rechnet sich der Umstieg auf die Wärmepumpe?

Beim typischen Einfamilienhaus (18.000 kWh Gas, JAZ 3,5, 55 % Förderung) nach rund 11 Jahren – muss die Gastherme ohnehin ersetzt werden, schon nach etwa 4 Jahren. Mit dem Rechner oben prüfen Sie Ihren konkreten Fall.

Wie viel Strom braucht die Wärmepumpe statt meines Gases?

Grob ein Viertel bis ein Drittel der bisherigen Gas-Kilowattstunden: Aus 18.000 kWh Gas werden bei JAZ 3,5 rund 4.600 kWh Strom. Die genaue Zahl hängt von JAZ und Kesselwirkungsgrad ab – der Rechner zeigt sie live an.

Muss ich meine Gasheizung bald austauschen?

Nein – funktionierende Anlagen dürfen weiterlaufen und repariert werden. Erst bei irreparablem Defekt greift (abhängig von der kommunalen Wärmeplanung) die 65-%-Erneuerbaren-Vorgabe des GEG für die neue Heizung. Wer vorher plant, entscheidet ohne Zeitdruck und mit voller Förderung.

Was passiert mit den Gaspreisen in den nächsten Jahren?

Der CO₂-Preis steigt planmäßig weiter (ab 2027 im ETS 2), und die Gasnetzentgelte verteilen sich auf immer weniger Kunden. Beides wirkt nur auf Gas, nicht auf Strom. Unser Rechner setzt konservativ +4 %/Jahr für Gas gegenüber +1,5 %/Jahr für Strom an.

Bekomme ich die Förderung auch bei funktionierender Gasheizung?

Ja – gerade dann: Der 20-%-Klimageschwindigkeits-Bonus gibt es genau für den Austausch einer noch funktionstüchtigen Gas- oder Ölheizung. Zusammen mit der Grundförderung sind so 50 % ohne Einkommensnachweis erreichbar.